Wir haben doch alles richtig gemacht.
Unsere erste Auswanderung stand bevor:
Eine vierköpfige Familie mit einem Traum: auszuwandern nach Portugal.
Wir haben alles geplant:
- Zum richtigen Zeitpunkt hatten wir uns ein Haus gekauft,
- haben unser Haus verkauft
- haben uns einen Remote-Arbeitgeber gesucht
- wir hatten ein paar Rücklagen.
- wir hatten angefangen, die Sprache zu lernen, und unser Englisch sollte sonst auch reichen.
Also im Großen und Ganzen sieht das doch nach einer erfolgreichen Auswanderung mit Vorbereitung aus.
Als wir drüben waren, sind uns dann Sachen aufgefallen, an die wir vorher nicht gedacht haben.
Es ist sogar so weit gekommen, dass wir zurückmussten. Dazu später aber mehr.
Damit dir das nicht passiert, gibt’s hier ein paar Fehler, die uns während unserer Auswanderung unterlaufen sind.
Fehler Nr. 1: Ich habe einem Arbeitgeber mehr vertraut als meinem Bauchgefühl
Der erste Fehler hat uns am meisten Zeit, Geld und Nerven gekostet.
Ich wusste, dass mein Arbeitgeber die Auswanderung nicht mitmachen wird.
Corona lag gerade hinter uns, deswegen wusste ich:
Es gibt aber Arbeitgeber, die modern genug sind, remote zu arbeiten.
Also habe ich mich auf die Jobsuche begeben, habe viele, viele Bewerbungen geschrieben und viele Absagen bekommen, aber immer mit der offenen und ehrlichen Kommunikation:
“Wir wandern aus. Ich lasse mich nur anstellen, wenn der Arbeitgeber es mitmacht”
Denn das ist unser Traum.
Deswegen bewerbe ich mich und deswegen muss es mitgemacht werden.
Nach längerer Suche fand ich dann einen Arbeitgeber, der das mitmacht.
Der meinte sogar, er findet die Idee richtig klasse, und sie sind sowieso Remote-First, damit wäre das kein Problem.
Also angestellt, ein wenig in Deutschland gearbeitet.
Die Arbeit hat Spaß gemacht und dann kam die Zeit der Auswanderung.
Aufgrund der langen Jobsuche ist die Auswanderung in die Probezeit gefallen.
Aber da ich ja die mündliche Zusage hatte, dachten wir, das ist kein Problem.
Wie falsch ich lag.
Also sind wir ausgewandert.
Wir sind gerade angekommen, haben alles ein bisschen aufgebaut.
Dann hatte ich ein Gespräch mit meinem Arbeitgeber, so zwei Monate vor Ende der Probezeit.
Sie hätten jetzt noch mal mit ihrem Steuerberater gesprochen und Portugal hat ein unglückliches Steuergesetz, welches sich für diesen Arbeitgeber nicht lohnen würde.
Denn in Portugal ist es so:
Du brauchst einen sogenannten Steuer-Zwischenmann, also jemanden, der für dich den Lohn und die Steuer abführt.
Es wird begründet, da in Portugal viel Steuerhinterziehung betrieben wird.
Und diese Payroll-Anbieter beziehungsweise Gehaltsabrechnungsanbieter kosten halt so viel Geld, dass es sich meistens erst ab zehn Mitarbeitern lohnt.
Aus diesem Grund durfte ich noch bis zum Ende der Probezeit arbeiten und war dann raus.
Gerade ausgewandert, gedacht, wir haben alles richtig gemacht.
Job sicher, gutes Einkommen, und dann fällt es einfach weg.
Was lernen wir daraus?
1. Alles, was du mit einem Arbeitgeber oder sonst wem vereinbarst, halte es schriftlich fest.
2. Remote-Arbeit ist nicht immer Remote von überall.
Eine Lektion, die ich jetzt auch bei unserer zweiten Auswanderung immer mehr feststellen muss.
Wenn du eine Remote-Stelle suchst, die du von Portugal, Australien, Griechenland oder den USA aus ausführen kannst.
Brauchst du entweder eine Stelle, aus diesem Land. Dann steht da immer „Remote“ und dann das jeweilige Land.
Zum Beispiel steht hier in Deutschland „Remote Deutschland“, somit ist die Stelle auf Deutschland begrenzt.
Es gibt aber mittlerweile auch Möglichkeiten, wo steht „Remote Europe“, „Remote USA“ oder „Remote from Anywhere“.
Das sind dann wirklich Stellen, die von überall gehen, bei denen du überall arbeiten kannst, weil die internationale Payroll-Anbieter haben, die dann die Gehaltsabrechnung machen.
Dort ist das meist kein Problem.
Musste ich aber auch erst mal auf die harte Tour lernen.
Das war ein Fehler, den wir gemacht haben und der uns echt Zeit, Nerven und Geld gekostet hat.
Weil das Einkommen nicht nur eine nette Nebensache ist.
Du kannst die Sprache können, Freunde finden und alles Mögliche machen.
Aber wenn du das Geld nicht hast, um dort zu leben, ist das einfach kacke.
Dann ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass man zurück muss.
Fehler Nr. 2: Wir haben die Bedeutung finanzieller Stabilität unterschätzt.
Und so sind wir dann vom ersten Fehler gleich in den zweiten gerutscht.
Nach der Kündigung kam die Panik.
Für mich hatte es sich damals so angehört, dass du nur in Portugal angestellt sein kannst.
Und die Gehälter in Portugal sind so niedrig.
Damit kannst du keine fünfköpfige Familie ernähren.
Somit hatte ich die Idee:
Ich mache mich selbständig.
Seit Jahren war ich nebenberuflich schon selbstständig, also warum nicht ganz?
Du kennst bestimmt auch die ganzen Videos und YouTube- oder LinkedIn-Beiträge, in denen gesagt wird:
„Ich habe innerhalb von drei bis vier Monaten meine Selbstständigkeit aufgebaut und lebe jetzt meinen Traum mit Summe xy.“
Wunderschöne Werbung.
Und so motivierend.
Aber wenn du in Ruhe darüber nachdenkst:
Ist es meistens Blödsinn.
Damals war ich aber nicht in Ruhe, sondern in leichter Panik.
Zu meinem Unglück habe ich dann auch gleich einen LinkedIn-Guru kennengelernt.
Dem habe ich meine Situation erklärt und gesagt:
„Du, ich habe drei Monate Zeit für diese Selbstständigkeit, sonst wird es finanziell eng.“
Die Person meinte dann: „Ja, gib mir mein Geld und du kriegst das locker wieder raus. Du wirst in drei Monaten dann so gut verdienen, dass du davon leben kannst.“
Kurzer Zeitsprung:
Es ist nicht so eingetreten.
Ich war zweieinhalb Jahre selbstständig, habe versucht, Geld zu verdienen.
Es hat auch irgendwo funktioniert, aber nie zu 100 %.
Bedeutet:
Ich habe so viel Geld verdient, dass ich ungefähr die Hälfte unserer Zeit immer finanzieren konnte.
Und dann musste ich an die Rücklagen gehen.
Bittere Erkenntnis, aber ist halt so.
Und jeder weiß, dass Rücklagen nicht ewig halten.
Deswegen wurde jeden Monat unser Leben, unsere Lebensgrundlage, schmaler.
Der Stress wurde immer größer und wir machten uns unglaublich Stress.
Dieser Stress überträgt sich dann aber auch in deiner Arbeit.
Nicht in die Leistung der Arbeit, sondern in die Verkaufsgespräche, die du führen musst.
Und die Leute merken, wenn du Stress hast.
Sie spüren es unterbewusst, wie du dich gibst.
Und meistens wollen sie dann auch nichts kaufen, da sie denken:
“Irgendetwas stimmt hier nicht.”
In solchen Situationen lernst du aber unglaublich viel.
Zum Beispiel, ob du das Auf und Ab magst oder nicht.
Meine Frau und ich sind Sicherheitsmenschen.
Wir brauchen ein gewisses Maß an Sicherheit, um uns ruhig und sicher zu fühlen.
Und das hat uns damals die Selbstständigkeit absolut nicht gegeben.
Das hat uns sogar so weit gebracht, dass wir gesagt haben:
Okay, wir gehen zurück. Dazu aber später mehr.
Und ich habe euch im Artikel zur Auswanderung ja auch gesagt:
Macht euren Status quo.
Weil ihr als Familie eben eine Familie seid.
Es gelten andere Regeln als für Backpacker.
Wenn du Single bist oder in einer Partnerschaft lebst, habt ihr Zeit.
- Zeit zu sagen: „Okay, wir jonglieren jetzt mal.“
- Ihr habt Zeit, euch durch das ganze Land zu bewegen.
- Ihr habt Zeit, euch, was weiß ich, ein Business besser aufzubauen.
Wenn ihr eine Familie mit Kindern seid und Verantwortung habt, ist das alles nicht so einfach.
Ihr müsst eure Zeit aufteilen.
Ihr müsst für die Kinder da sein.
Ihr müsst die starken Personen sein.
Und das zerrt.
Und wenn dann noch finanzielle Sorgen dazukommen, wird es nicht einfacher.
Fehler Nr. 3: Wir dachten, Englisch reicht erstmal
Früher haben wir gedacht:
Sprache gehört dazu.
Du musst dich ja mitteilen können.
Und in der Schule lernen wir dann:
Englisch ist die Weltsprache.
Also sollten wir doch auch mit Englisch weiterkommen, oder?
Bei unserer ersten Auswanderung wollten wir Portugiesisch lernen.
Aber durch Kinderalltag, Arbeit und den Auswanderungsstress, haben wir es nicht so gut hinbekommen.
(Und sagen wir mal so: Es ist keine einfache Sprache zu lernen.)
Also haben wir an die Schule gedacht und gehofft, zumindest ein wenig mit Englisch weiterzukommen.
Wir dachten dann, als wir da waren:
Okay, jetzt können wir ja richtig lernen, weil jetzt reden die Leute um uns herum Portugiesisch.
Fehlanzeige.
Es lässt sich so leicht als Ausrede benutzen:
In Deutschland kannst du die Sprache ja nicht richtig lernen, weil du niemanden zum Sprechen hast.
Und die Wahrheit ist:
Es ist nicht so einfach, wie es aussieht.
Als wir wirklich in Portugal angekommen sind, waren wir erstaunt, wie viele Leute wirklich Englisch konnten, aber gleichzeitig auch geschockt, wie viele Leute es nicht konnten oder es einfach nicht sprechen wollten.
Ich erinnere mich nur an eine Situation, in der ich in Portugal eine Rechnung bezahlen musste.
Zur kurzen Erklärung:
In Portugal kannst du deine Rechnungen für Strom, Wasser und Steuern per Lastschrift einziehen lassen.
Möchtest du das nicht, hast du ein eigenes Verfahren, welches Mway heißt.
Dafür brauchst du aber ein portugiesisches Bankkonto.
Kannst du die beiden Varianten nicht verwenden, bleibt noch eine dritte:
Es gibt Behörden, wo du die Rechnungen bezahlen kannst, in bar.
Der Herr vor mir hatte gerade alles auf Englisch geklärt.
Da ich noch nicht so gut Portugiesisch konnte, habe ich auf Englisch gesagt, dass ich die Rechnung bezahlen möchte.
Der guckt mich an und redet auf Portugiesisch.
Ich versuche es nochmal auf Englisch, wieder die Antwort auf Portugiesisch.
Dann wollte ich mein Handy rausholen und mir den Satz auf Portugiesisch anzeigen lassen.
Er winkte nur ab: „Nein, nein, nein, nein.“
Und hat mir nur auf Portugiesisch gesagt:
Versuch es selber.
5 Minuten habe ich dann versucht, den richtigen Satz hinzubekommen.
Dann guckt er mich an, grinst und sagt:
„Jetzt können wir auf Englisch reden.“
Wir sind daraufhin in ein kurzes Gespräch gekommen.
„Wie lange lebt ihr denn hier?“
Ich glaube, wir haben da in dem Augenblick zwei Monate dort gelebt.
Und er hat gesagt:
„Zwei Monate und du hast noch nicht die Grundlagen dieser Sprache gelernt?“
Ja, schwer mit Kindern, Job, alles neu.
Konnte er alles verstehen.
Aber was für ihn wichtig war:
Es ist nicht wichtig, dass ich viel kann, sondern dass er diesen Willen sieht.
Und ich glaube, das gilt für uns alle.
Es ist extrem wichtig zu sehen:
Da beschäftigt sich jemand mit dem Land.
Da lebt jemand hier und beschäftigt sich auch mit dieser Sprache und zeigt dem neuen Wohnort den Respekt, dass er dort gerne leben möchte.
Das hat mir so ein bisschen die Augen geöffnet und gezeigt:
Sprache ist nicht nur irgendwie Worte.
Es ist der Respekt dem Land gegenüber.
Ich versuche mittlerweile immer, wenn ich in Portugal bin oder jemanden vor mir habe, der Portugiesisch spricht, mindestens teilweise auf Portugiesisch zu sprechen.
Auch wenn ich mir die Sätze vorher noch mal herausgoogle.
Irgendwann gehen sie in Fleisch und Blut über.
Dann frage ich auf Portugiesisch.
Und wenn derjenige so schnell antwortet, dass ich es nicht verstehe, sage ich:
„Es tut mir leid, mein Portugiesisch ist echt nicht gut. Könnten Sie es noch mal langsam wiederholen?“
Und wenn ich es dann nicht verstehe, sage ich:
„Okay, können wir es vielleicht auf Englisch versuchen?“
Oft sind die Menschen so viel zugänglicher, als wenn ich gleich komme mit:
„Sprechen Sie Englisch?“
So zeigst du gar nicht den Willen, die Sprache zu lernen.
Wie ihr die Sprache lernt, ist eure Sache.
Ich zum Beispiel kann gar nichts mit dem klassischen Schulsystem anfangen.
Wenn ich das versuche, schalte ich direkt ab.
Aber tut euch selbst den Gefallen:
Setzt euch mit der Sprache auseinander.
Und wenn es erst mal nur bruchstückhaft ist.
Ebenfalls wichtig:
Fürchte dich nicht davor, die Sprache anzuwenden.
Egal, wie schlecht du bist. Versuche es.
Und wenn du dir vorher noch den Satz zurechtlegst.
Die Menschen werden es euch danken.
Und ihr selber auch.
Weil ihr merkt, wie ihr anders behandelt werdet.
Ach ja, und noch ein ganz wichtiger Punkt zum Thema Sprache.
Warum ich dieses Schulsprachenlernen nicht so gerne mag:
In den meisten Kursen werden die Vokabeln oder die Sätze sauber und klar ausgesprochen.
Das hast du in den meisten Sprachen aber nicht.
Die Menschen reden schneller, sie verschlucken manchmal Wörter oder sprechen einen Dialekt.
Kennst du auch hier in Deutschland.
Wir haben Hochdeutsch, was an sich alle sprechen sollen.
Und dann haben wir die verschiedensten Dialekte.
Es gibt so viel, was die Sprache noch einmal verändert.
Oder nehmen wir mal grundsätzlich Deutsch:
In Österreich sprechen sie auch Deutsch, aber mit einem anderen Akzent.
In der Schweiz ist es das Gleiche.
Du siehst, worauf ich hinaus möchte.
Die Sprache hat einen Grundstamm.
Die Sprachkurse geben dir diesen Grundstamm.
Aber es gibt meist so viele Feinheiten, die du an dem Ort, an dem du lebst, erst verfeinern musst.
Wir haben am Anfang mal einen wirklich astreinen portugiesischen Satz herausgebracht.
Wirklich lehrbuchmäßig.
Und dann saß das Gegenüber da und hat uns nicht verstanden.
Dann hat er uns einfach mal gesagt, wie man den Satz bei ihm ausspricht.
Und wir haben gedacht:
Wir haben gar nichts verstanden.
Weil die wirklich extrem viele Silben und Wörter verschlucken.
Fehler Nr. 4: Wir haben unterschätzt, wie einsam Auswandern sein kann.
Ein weiterer Punkt, den man eigentlich gerne unterschätzen möchte, ist das Thema Einsamkeit.
Als wir ausgewandert sind, hatten wir uns immer die Gedanken gemacht:
Okay, was können wir für die Kinder tun, damit sie guten Anschluss finden?
Für uns war von vornherein klar, der Schlüssel zu einer erfolgreichen Auswanderung besteht darin, dass unsere Kinder auch für sich Freunde finden.
Denn wie sollst du dich wohlfühlen, wenn du dich einsam oder ausgeschlossen fühlst?
So kannst du dich nicht zu Hause fühlen.
Deswegen haben wir versucht, dass die Kinder schnellstmöglich Freunde finden.
Wir haben sie nicht reingeprügelt nach dem Motto:
Ihr müsst Freunde finden.
Sondern wir haben ihnen einfach Möglichkeiten gegeben.
Wir haben versucht, die Schule so auszusuchen, dass das gut funktioniert.
Damals haben wir eine englischsprachige Schule ausgesucht und haben die Kinder vorher schon in Deutschland ein bisschen in den Englischunterricht mitgeschickt.
Aber nicht mit Zwang, sondern eher spielerisch.
Und so haben wir versucht, dass sie über die Schule erst einmal Freundschaften finden.
Damals hatten wir Sportvereine noch nicht so auf dem Schirm, aber dieses Mal wollen wir das auch probieren.
Denn gemeinsame Interessen sind eine gute Grundlage für Freundschaften.
Was wir bei den Kindern gemacht haben, haben wir bei uns leider versäumt.
Wir haben uns erst mal auf die Kinder konzentriert.
Und aufgrund der finanziellen Lage habe ich mich zusätzlich darauf konzentriert, irgendwie Geld reinzubringen.
Das Thema Freunde und Bekannte blieb dabei ein bisschen unberücksichtigt.
Im Nachhinein haben wir dann auch gemerkt, dass uns einfach Freunde gefehlt haben.
Dass wir uns ein bisschen einsam gefühlt haben.
Vor allem, weil das Thema Freundschaften auch sehr komplex ist.
Du gehst nicht irgendwohin und sagst:
Wir sind jetzt Kumpels.
Sondern das entwickelt sich.
Bei uns war es auch so.
Am Anfang hatten wir gar keine Freunde, gar keine Bekannten.
Dann haben sich durch die Schule und die Bekanntschaften unserer Kinder Kontakte zu anderen Eltern ergeben.
Mit manchen haben wir uns dann mal getroffen.
Mit einigen hat es gut gepasst, mit anderen weniger.
Und so haben sich dann, kurz bevor wir wieder zurückgegangen sind, tatsächlich Freundschaften entwickelt.
Manche dieser Freundschaften bestehen sogar noch bis heute, obwohl wir gerade in Deutschland leben und unsere Rückauswanderung planen.
Das Thema Freundschaften solltest du nicht unterschätzen.
Weil wir alle Menschen sind.
Wir sind soziale Wesen.
Und wir brauchen diesen Kontakt.
Fehler Nr. 5: Wir dachten, Durchhalten bedeutet immer weitermachen.
Wir waren damals ausgewandert.
Unsere Familie beziehungsweise unsere Verwandtschaft war nicht begeistert davon.
Alle haben gesagt: „Ihr kommt sowieso heulend zurück.“
Für meine Frau und mich war klar:
Wir wollen nicht zurück.
Gar nicht.
Auch jetzt, nachdem wir zweieinhalb Jahre im Ausland gelebt haben, können wir sagen, dass wir es echt genossen haben.
Bis auf das Thema Finanzen war das wirklich der Traum, den wir gelebt haben.
Und wir haben auch das Gefühl gehabt, dass unsere Kinder es ebenfalls sehr genossen haben.
Als diese finanziellen Themen dann immer drastischer wurden, kam aber auch der Punkt:
- Okay, was machen wir jetzt?
- Wir haben Verantwortung für uns und für die Kinder.
- Wie sieht es jetzt aus?
Ich habe lange Zeit versucht, an dem Gedanken festzuhalten:
Nicht aufgeben.
Deswegen bleiben wir hier.
Wir schaffen das und gehen mit dem Kopf durch die Wand.
Würde ich heutzutage auch nicht grundsätzlich bestreiten.
Das ist nicht immer der falsche Weg.
Allerdings hatte ich dabei einen großen Fehler gemacht.
Nämlich den Gedanken, dass ein Schritt zurück immer bedeutet, aufzugeben.
Dabei kann ein Schritt zurück auch einfach Anlauf sein.
Wie meine ich das?
Wir sind wieder nach Deutschland gekommen und nachdem dieser ganze Druck abgefallen war, sind wir das Thema noch einmal für uns durchgegangen.
Denn was sagen alle?
- „Wie kann man so doof sein, Deutschland zu verlassen? Deutschland ist so gut.“
- „Du hast hier die Krankenkasse, die für dich alles zahlt.“
- „Du hast hier Kindergeld.“
- „Du hast hier Bürgergeld.“
- „Wieso sollte man dieses Netz verlassen?“
Das mit dem Kindergeld kann ich vollkommen verstehen.
Mit der Krankenkasse so halbwegs, weil die auch nicht so golden ist, wie viele sie immer darstellen.
Und mit dem Bürgergeld nun gar nicht.
Das sind aber meine eigenen Erfahrungen.
Ich hatte jetzt ein paarmal in meinem Leben damit zu tun und hatte dabei immer Probleme.
Darauf möchte ich jetzt aber nicht weiter eingehen, weil das den Artikel sprengen würde.
Aber das sind die Argumente, die eigentlich immer gebracht werden.
Deutschland ist sicher.
Was vielleicht irgendwo auch stimmen mag.
Aber nach nicht einmal einem Jahr in Deutschland hat unsere Familie sich entschieden:
Wir wollen wieder zurück.
Wie kam das?
Ganz einfach.
Der Druck ist von uns Erwachsenen abgefallen.
- Wir waren wieder in Deutschland.
- Ich hatte ein Arbeitsverhältnis.
- Das Geld kam rein.
Wir konnten sozusagen entspannen.
Wir konnten dieses Thema von „Wir sind am Existenzminimum, müssen jeden Euro umdrehen und es wird nicht einfacher“ einfach mal liegen lassen.
Und wir konnten nachdenken.
Wir konnten uns informieren.
Es gab ja schon Gründe, warum zwei Menschen unabhängig voneinander bereits als Kinder gesagt haben, dass sie auswandern möchten.
Und irgendwann kam das Thema wieder auf, dass wir als Erwachsene Portugal vermissen und eigentlich gerne zurückmöchten.
Dann haben wir besprochen:
Okay, wie wäre das denn dieses Mal?
Denn genau das ist eine Sache, die man aus Fehlern lernen kann.
Du kannst lernen, wie du es besser machen kannst.
Wir haben gesagt: Okay, letztes Mal war das Thema Einkommen ein riesiges Problem.
Wie machen wir es diesmal anders?
Zuerst kamen Ideen wie:
Wir müssen in Deutschland schon eine Selbstständigkeit aufbauen, damit wir dort dann Geld verdienen können.
Was erst einmal keine schlechte Idee ist.
Dann kamen weitere Ideen.
Zum Beispiel, dass meine Frau und ich gemeinsam eine Selbstständigkeit aufbauen, damit wir das besser hochziehen können.
Auch keine schlechte Überlegung.
Aber dann haben wir uns noch einmal weiter informiert und sind auf einen Punkt gestoßen:
Viele deutsche Unternehmen sind bei Remote-Arbeit sehr eingeschränkt und sagen nur: Deutschland.
Das ist in vielen Ländern so.
Aber nicht in allen.
Es gibt Unternehmen, die mittlerweile wirklich in ihren Stellenanzeigen schreiben: „Work from Anywhere“.
Das bedeutet: Arbeite von überall.
Und genau diese Unternehmen bieten Jobs an, die wirklich von überall ausgeführt werden können.
Also echtes Remote-Arbeiten von jedem Ort der Welt.
Und das war für uns letztendlich die Lösung.
Wir haben gesagt:
Okay, ich bewerbe mich jetzt gezielt auf solche Stellen.
Und wir fragen unsere Kinder, ob sie sich das vorstellen können.
Denn bei uns gilt:
Die ganze Familie wird einbezogen, wenn große Entscheidungen anstehen.
Und jede Stimme zählt.
Als wir die Kinder gefragt haben, haben sie uns angeschaut, gelächelt und gesagt:
„Da sind wir dabei.“
Später kam dann natürlich auch mal der Gedanke:
„Entweder verliere ich hier meine Freunde oder ich verliere meine Freunde später noch mal. Beides ist blöd.“
Am Ende hat unser Großer gesagt:
„Mir ist egal, wo wir leben. Ich möchte einfach, dass wir als Familie glücklich sind.“
Und das finde ich eine unglaublich reife Aussage.
Deswegen haben wir uns dann als Familie entschieden:
Wir gehen wieder nach Portugal.
Und ich suche mir eine Vollzeitstelle, die wirklich remote funktioniert, um unseren Lebensunterhalt zu sichern.
Und dann bauen wir wieder alles auf.
Das ist das, was ich meine, wenn ich sage:
Aus Fehlern kannst du nur lernen.
Der Fehler war, dass wir auf Biegen und Brechen dableiben wollten.
Dadurch haben wir manche einfache Lösung, wie zum Beispiel echte „Work-from-Anywhere“-Stellen, gar nicht gesehen.
Oder wir haben uns von anderen Leuten einreden lassen, dass es solche Möglichkeiten nicht gibt.
Dadurch haben wir uns selbst Chancen verbaut.
Wenn wir damals einfach einen Schritt zurückgegangen wären, vielleicht nicht einmal ganz zurück, sondern einfach kurz durchgeatmet und geschaut hätten:
„Okay, was gibt es denn noch für Möglichkeiten?“
Dann wären wir vielleicht schon damals auf diese Lösung gekommen.
Und genau deshalb kann ein Rückschritt manchmal auch ein Fortschritt sein.
Fazit: Unsere größten Fehler waren nicht der Grund für unsere Rückkehr.
Auswandern ist und bleibt eine coole Sache.
Aber es ist nicht nur Sonnenschein, wie viele es dir weiß zu machen.
Und jeder macht irgendwelche Fehler, dafür sind wir einfach Menschen.
Wichtig ist:
- Erkenne die Fehler
- Lerne daraus
- Und wenn du kannst, lerne vorher die Fehler von anderen.
Hier hast du nun 5 unserer größten Fehler kennengelernt.
Wie sieht es bei dir aus?
Bist du schon ausgewandert und hast einen Fehler gemacht?
Lass uns gerne in den Kommentaren darüber sprechen.




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